Die Misere mit den Schichtzuschlägen

So, nach dem ich mit dem Artikel “Den Gürtel enger schnallen” schon eine Reaktion auf die Kürzung der Schichtzuschläge von meinem Noch-Arbeitgeber veröffentlicht habe, veröffentliche ich hiermit mein Schreiben an den Vorstand:

Sehr geehrter Herr X,

erinnern Sie sich noch an mich? Ich hatte Sie vor einem Jahr gebeten, den weniger gut verdienenden Agents bei der Finazierung der Einmalzahlung für die Monatsmarke ÖVM zu helfen. Darauf habe ich leider nie eine Antwort von Ihnen erhalten.

Aber nun geht es mir um Ihre E-Mail zur “heiligen Kuh”, den Schichtzuschlägen. Ich bin mir sicher, dass in diesem Unternehmen auch Hindus arbeiten, die die leichtfertigen Benutzung der Redewendung mit der heiligen Kuh durchaus als diskriminierend empfinden könnten.

Dennoch ist die heilige Kuh ein interessanter Ansatz für dieses Schreiben. Die heilige Kuh wird in Indien kontrovers diskutiert. Während jeder Hindu für sich selbst entscheiden kann, ob das Tier für Ihn heilig ist oder nicht, besteht ein landesweites Schlacht- und Nutzverbot. Dennoch ist Indien mit seinen 222 Millionen Kühen der größte Milchproduzent der Welt. Ein Widerspruch in sich.

Genau so halte ich die Lohnerhöhung um 50€ auf der einen Seite und die Kürzung der Schichtzuschläge auf der anderen Seite für einen Widerspruch.

Nach meinen Überlegungen wäre es für die XYZ AG günstiger gekommen, nur den Kollegen 50€ zusätzlich anzubieten, die in Bereichen ohne Schichtarbeit arbeiten. Des Weiteren hat man sich bei dieser Maßnahme scheinbar nicht überlegt, dass es für Teamleiter nun schwieriger wird Spätschichten und Sonntagsschichten zu besetzen, hier drohen Zwangsbesetzungen, was auch wiederum zu Unmut bei den Mitarbeitern führen wird. Außerdem frage ich mich, wie ich von Agents immer noch mehr Einsatz und Engagement zur Steigerung der Qualität fordern soll, wenn die XYZ AG Ihnen dafür im Gegensatz nichts bietet außer Kürzungen.

Es gibt Kollegen die generell nur die Spätschicht arbeiten und jeden Sonn- und Feiertag hier im Haus sind. Das Ergebnis? Bis zu 200€ Netto mehr! Das sind immerhin fast 20% zusätzlich. Von steigenden Preisen bei Benzin, Nahverkehr, Lebenshaltungskosten etc. brauche ich Ihnen sicherlich nichts erzählen, um die Wichtigkeit dieser Zuschläge zu betonen.

Da Sie ja des Öfteren die Aussage treffen “Ich war auch mal einer von Ihnen”, möchte ich sie daran erinnern, dass Sie damals einen Arbeitsvertrag mit anderen Konditionen hatten, ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie Ihren Lebensunterhalt mit 1350€ Brutto bzw. knapp 980 € Netto bestreiten mussten. Hartz IV Empfänger erhalten in Berlin momentan knapp 1000 €.

Das Argument “unsere Mitbewerber zahlen deutlich weniger” halte ich an dieser Stelle übrigens auch für unangebracht. Besagte Mitbewerber sitzen meist in strukturschwachen Regionen, mit niedrigeren Nebenkosten, außerdem sagte meine Mutter immer zu mir „Wenn die anderen aus dem Fenster springen, springst Du dann hinterher?“.

Und selbst wenn es unsere Mitbewerber billiger machen, vielleicht sollte sich die XYZ AG weiterhin zu Qualität und nicht zu Quantität bekennen. Hierfür würden wir aber einen starken Vertrieb benötigen, der nicht jeder Preissenkung des Auftraggebers zustimmt, sondern ausführlich die Vorzüge der XYZ AG schildert.

Auch wenn es schwer fällt, ich denke es müssen andere Lösungen gefunden werden, als die Kürzung des Einzigen Motivators bei der XYZ AG: GELD!

Nun aber genug der destruktiven Kritik, hier ein paar konstruktive Vorschläge um Geld einzusparen:

  • Demontage der Thermostatventile zur manuellen Temperaturregelung an den Heizungen und eine zentrale Steuerung. Spart Geld und ist gut für die Umwelt!
  • Demontage der Drehregeler an den Durchlauferhitzern in den Toiletten. Mal im ernst, wer wäscht sich mit 90°C heißem Wasser die Hände?
  • Konsequentes Ausschalten der Monitore in Pausen und nach Feierabend.
  • Auch Drucker können nach Feierabend abgeschaltet werden.
  • Beim Kauf von PCs darauf achten, dass diese mit Stromsparfunktionen versehen sind. Mein aktueller PC (ein Pentium IV) an meinem Arbeitsplatz verbraucht z.B. 132 Watt. Das muss nicht sein! Aktuelle PCs mit AMD Athlon BE Prozessoren benötigen nur 40 Watt und sind dabei in der Anschaffung nicht teurer.
  • Unternehmenszeutschrift: Muss man denn in der heutigen Zeit, in der jeder Mitarbeiter einen E-Mail Account hat, eine Unternehmenszeitschrift wirklich noch drucken!?

Solche Einsparmaßnahmen lassen sich in diesem Unternehmen an allen Ecken finden. Dies ist aber nicht meine Aufgabe, ich denke für diese Aufgabe gibt es besser qualifizierte Mitarbeiter, die der Suche nach Einsparmaßnahmen auch mehr Zeit widmen können als ich.

Übrigens macht Ihr Dienstwagen (ich glaube es ist ein Audi Q7, ein SUV, der in den Medien auch gerne als “Spritschleuder” betitelt wird) das Thema “Wir müssen den Gürtel enger schnallen” nicht besonders glaubhaft. Zumindest entsteht der Eindruck, dass Sie am Sparprogramm nicht teilnehmen müssen. Korrigieren sie mich bitte, sollte dieses Fahrzeug Ihr Privatfahrzeug sein, ein Fahrzeug, dass mit einem Mindestanschaffungspreis von 49.000€ eine gewisse finanzielle Potenz voraus setzt. Bei den Recherchen (in meiner Mittagspause) zum Audi Q7 bin ich auf den Werbeslogan von Audi gestoßen: “Wer an der Spitze steht, braucht keinen Kompromiss.”

Ich für meinen Teil helfe bei den Sparmaßnahmen ab dem 01.06.2008 aktiv mit und spare dem Unternehmen monatlich 1900€ + Lohnnebenkosten.

Mit freundlichen Grüßen

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Kategorie(n): Unsortiert
Kommentare
  1. marco sagt:

    bravo! unter dem gesichtspunkt das du eh natuerlich bald die biege machst verkleinert das den eierdurchmesser natuerlich etwas, aber dennoch sehr gut transportiert ;-)

  2. freggeln sagt:

    Da kann ich meinem Vorredner nur zustimmen. Klar ist einfacher, wenn bereits die Gewissheit hat, dass, ich nenne es, sinkende Schiff zu verlassen, aber trotzdem ist die eMail wirklich gut und sachlich geschrieben.

    Gerade die Verbesserungsvorschläge zeigen, dass hier nicht jemand nur einach mal Dampf ablassen wollte, sondern sich auch wirklich Gedanken, um die Sache als solches gemacht hat.

  3. Scotty sagt:

    Ich sag nur täglich 1000 Registrierungsfaxe ausgedruckt auf Papier um sie dann elektronisch zu speichern?!?!
    Aber hast du nicht schlecht geschrieben. Hat Harry schon geantwortet?

    Gruß Scotty

  4. Gilly
    Twitter:
    sagt:

    Mit dem Eierumfang habt Ihr natürlich recht, der andere Kollege hatte ebenfalls bereits gekündigt.

    Ich würde Euch ja wirklich zuuuu gerne die Antwort präsentieren, lasse das aber mal lieber um irgendwelche Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden.

    So nebenbei betrifft mich das Problem sowieso nicht, da ich keine Zuschläge erhalte in meiner Position als Trainer. Aber da eben die ganzen Kollegen die es betrifft eben selbst nicht die Chance haben sich zu äußern, habe ich das halt übernommen.

  5. freggeln sagt:

    Wenn man in der Position, dass man nicht mehr auf den Job angewiesen ist, so kann man ja auch gut mal das Sprachrohr für andere sein, die nicht die Chance dazu haben, weil sie wirklich auf die Arbeitsstelle angewiesen sind.

  6. mr-freeze sagt:

    Einfach geil und Friisenlike deine Antwort!

    Was ich von der Firmenpolitik in Deutschland halte, brauche ich hier sicher nicht wiederholen und daß mir Dein Arbeitgeber (scheinbar ja nicht Brötchengeber, denn die kosten monatlich sicher zu viel!) unsympatisch ist, weißt du ja spätestens seit der Nummer mit den Klamotten, die zu leger und locker gewesen sein sollen. Ich hasse solche Pappnasen und wenn sie nach solchen Sprüchen nicht noch einige Reißnägel in den Reifen ihrer Q7 Schleuder finden, dann will ich verdammt sein!

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